Mondamoiseau – oder warum das Fräulein weg soll

In Deutschland gibt es die Bezeichnung “Fräulein” für eine unverheiratete Frau offiziell seit 1972 nicht mehr. So wurde z. B.  aus allen behördlichen Formularen diese Bezeichnung gestrichen und auch gegen die mündliche oder schriftliche Verwendung dieses Wortes kann man sich seither wehren. Damals gab das Bundesinnenministerium die Weisung aus, volljährige Frauen auch als solche zu bezeichnen.

Ganz anders in Frankreich. Ein Relikt aus vergangenen Zeiten und doch wird das Wort “Mademoiselle” (also Fräulein) dort ganz automatisch und selbstverständlich benutzt. Sehr zum Ärger vieler Feministinnen. Ihre Organisationen nennen sich u. a. bezeichnenderweise “Osez le féminisme!” (Mut zum Feminismus) und “Chiennes de garde” (Wachhündinnen). Eine Erfindung dieser Damen ist die Anti-Mademoiselle-Kampagne. Mit Protestbriefen an das Parlament fordern sie die Abschaffung der Bezeichnung “Mademoiselle” aus der Öffentlichkeit. Sie empfinden dieses Wort als sexistisch und diskriminierend. Das so manche Frau über 35 es aber durchaus als Kompliment für ihr jugendliches Aussehen versteht, wenn sie Mademoiselle genannt wird, können sie nicht nachvollziehen.

Frauen in Frankreich müssen auf Behörden- und Unternehmensformularen angeben, ob sie Madame (verheiratet) oder Mademoiselle (ledig) sind. Dieses öffentlich machen für alle sehen die Feministinnen keinesfalls als schmeichelhaft. Im Gegenteil, es würde viel mehr signalisieren, dass die Frau “zur Verfügung” steht. Macht “frau” jedoch ein Kreuz an der falschen Stelle, können z. B. Verträge wegen falscher Angaben für ungültig erklärt werden. Eine gesetzliche Grundlage gibt es nicht. Aber es heißt, dass keiner Frau ein Dokument vorenthalten werden darf, nur weil sie den Titel “Madame” verwenden will. Dennoch hätten es viele Frauen immer noch schwer, ihre Rechte durchzusetzen. Im Jahr 2007 gab es hierzu eine Klage bei der Antidiskriminierungsbehörde, da eine Präfektur von einer Frau sage und schreibe 145,- € verlangte, um die “Mademoiselle” in den Fahrzeugpapieren zur “Madame” abzuändern.

Die Französinnen selbst sehen das Ganze zwar gemischt, aber auch irgendwie mit der typisch französischen Gelassenheit. Gerade die älteren Damen lassen sich doch ganz gerne Mademoiselle nennen. Es gehört für sie quasi zum guten Ton und sie fühlen sich natürlich geschmeichelt.  So war es auch keine andere als Coco Chanel, die sich bis ins hohe Alter hat Mademoiselle nennen lassen. Und auch Catherine Deneuve (mittlerweile 68) bevorzugt den Titel Mademoiselle. Die jüngeren Französinnen hingegen sehen das etwas lockerer. Doch auch hier gibt es viele, die in einer Umfrage, wie sie genannt werden wollen, mit “Mademoiselle” geantwortet haben. Vielleicht aus der Gewöhnung heraus. Denn auch wenn meine Generation nicht mehr mit Fräulein angesprochen wurde, so benutzen viele (auch ich) das Wort öfter mal. Besonders Töchtern gegenüber hört man doch sehr häufig “Fräulein, ich warne Dich…!”, wenn sie mal wieder zickig sind.

Den französischen Feministinnen wird das gar nicht gefallen. Da wird es auch nicht helfen, dass sie eine ihrer Kampagnen mit der Frage “Haben Sie sich nie gefragt, warum man einen unverheirateten Mann nicht Herrlein (Mondamoiseau) nennt?”ausgestattet haben.  Gibt´s denn im Französischen nicht die Bezeichnung “Herrchen” für einen Hundebesitzer? Dann hätten die Wachhündinnen doch, was sie wollen ;-)

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2 Antworten auf Mondamoiseau – oder warum das Fräulein weg soll

  1. Alice sagt:

    Sehr informativ… und am Ende zum Schreien. Toller Artikel!

  2. Nicole* sagt:

    @Alice: hier bei mir. Vielen Dank. Wie es scheint, konnte ich Deine schlechte Laune für einen kurzen Moment verbannen

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